Architektur der Gotik

Architektur der Gotik. Bedeutende gotische Bautwerke. Bauzeit in Spanien, Deutschland, England. Baudenkmäler und Kirchenbauten

Architektur der Gotik
Architektur der Gotik. | Foto: (©) H.D.Rose | Foto kaufen

Updated: 06.07.2014, 9:39. Text/Foto: Hans Diego Rose.


Spanien » Architektur » Architektur der Gotik

Das Jahrhundert der Gotik war das Zeitalter der gewaltigen "zu Stein gewordenen, tiefen Glaubensbekenntnissen des Christentums". Zahlreiche Kathedralen wurden zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert in Westeuropa errichtet. Hoch aufragende Kirchturmspitzen (der höchste in der deutschen Stadt Ulm), weisen zusammen mit anderen Bauelementen auf das 'erhabene Himmelreich' der christlichen Lehre. Besonders schön zeigt sich dies am Münsterturm zu Freiburg (s. Foto). Der Turmhelm wirkt wie eine luftige, leichte und lichte Laube. Blickt der Besucher im Turm senkrecht zum Turmhelm empor, entsteht der Eindruck eines von innen erleuchtenden Sternes. Ein Symbol des Himmels und des christlichen Glaubens.

ANZEIGE

Die Gotik löste in ganz Europa den romanischen Baustil ab. Für eine Zwischenperiode entstanden Bauwerke, die romanische, wie auch gotische Baustile verbanden. Dem romanischen Rundbogen mit seiner erdgebundenen Schwere folgte der gotische und wesentlich filigranere Spitzbogen. Kreuzrippengewölbe erlauben eine Höhenausdehnung des Kirchenraumes. Die neuen großen und hohen Fensterflächen lösten die harte Wand auf und tauchten das Kircheninnere in ein helles, buntes Licht. Die Fensterflächen wurden in jener Zeit nur zum Teil farbig verglast. Die freien Flächen sollten das Licht ungebrochen und 'rein' in den Kirchenraum einfallen lassen. Eine neue Architektur der Weite, Höhe und Helle, die dem neuen Lebensgefühl der Zeit entsprach wurde damit geschaffen.

Architektur der Gotik
Gotischer Spitzgiebel, gotische Rosette. Kathedrale Sevilla.
Architektur der Gotik. | Foto: (©) H.D.Rose | Foto kaufen

Der erste Kathedralbau im gotischen Stil erfolgte auf deutschem Boden mit dem Magdeburger Dom (Dom St. Mauritius und St. Katharina) im Jahr 1209. Der ottonische, frühromanische Dom war durch Feuer zerstört und der neue Erzbischof Albrecht II. hatte in Paris die Entstehung Notre Dame erlebt. Von der neuen in Richtung Himmel strebenden Architektur begeistert, ließ der neue Erzbischof den Grundstein für die imposante Kathedrale legen.

Woran ist gotisches Bauwerk zu erkennen? - Wichtigstes Kennzeichen ist der Spitzbogen. Egal ob am Fenster oder am Portal, fast immer findet sich der Spitzbogen. So wie beim Hahnenturm am Freiburger Münster, lassen sich die Bauabschnitte, vom romanischen Unterbau hin zum darüberliegenden gotischen Weiterbau schön erkennen. Ebenfalls typisch für gotische Kathedralen, ist der Eindruck einer sich ausweiteten Höhe. Dieser Eindruck wurde teils durch eine geschickte optische Illusion - teils aber auch durch Bauelemente wie Säule, Bogen und Rippe - bewusst herbeigeführt. Man baute "himmelswärts". Gotisches Buntglasfenster, sind eine der auffälligsten Dekorationselemente gotischer Sakralbauten. In ihnen finden sich Darstellungen aus der Bibel und Heiligengeschichten.

Architektur der Gotik
Kölner Dom, zweithöchste gotische Kirchengebäude Europas.
Architektur der Gotik. | Foto: (©) H.D.Rose | Foto kaufen

Bauzeit, Baustil, Finanzierung gotischer Sakralbauten - Im Mittelalter wurden die Kathedralen häufig von den Bürgern der Stadt finanziert. Manche Gemeinden verschuldeten sich für die Vollendung des Bauwerks. Dennoch reichte das Geld in der Regel nicht. So zogen sich die Arbeiten in den Bauhütten über Jahrhunderte hinweg. Unterbrochen auch durch Kriege und Seuchen. Die Kathedralen bildeten das Zentrum jeder Stadt und wurden zum Stolz ihrer Bewohner. Die Jahrhunderte währende Bauphase lässt sich an den Sakralbauten wie an kaum einen anderen Gebäudetyp sehr schön ablesen. Von de Romanik, Gotik zur Renaissance und des Barock finden sich in einigen Kathedralen viele Bauelemente und Baustile.

Gotik
Gotischer Spitzgiebel. Marienkrönung (13. Jh.) Spitzgiebel, Freiburg
.
Architektur der Gotik. | Foto: (©) H.D.Rose | Foto kaufen

Hauptportale mittelalterlicher Kirchen wurden häufig nach Westen den Abend hin ausgerichtet. Tritt man in das Kircheninnere führt der Weg aus der Dunkelheit in Richtung Osten der aufgehenden Sonne. Der Blick geht in von der Dunkelheit der Welt in Richtung Altar und Christus.

Gotik
Hauptportal. Gotische Kirche Freiburg im Breisgau
.
Architektur der Gotik. | Foto: (©) H.D.Rose | Foto kaufen

Hauptportale mittelalterlicher Kirchen - Begrenzt werden Hauptportale durch schräg in die Wand eingeschnittene Mauerflächen (Gewände). Bei gotischen Gewändeportale ist es üblich in den einzelnen Abtreppungen bemahlte Gewändefiguren einzusetzen. Die Bilder und Figuren im Gewände verkünden die Heilsbotschaft als "biblia pauperum" (Bilderschrift). So konnten auch die des Lesens unkundigen Laien die Heilsbotschaft verstehen. Einige dieser Geschichten setzten sich von Portal zu Portal fort.

Gotik
Spätgotisches Tympanon, 1330/40, Breisach am Rhein.
Architektur der Gotik. | Foto: (©) H.D.Rose | Foto kaufen

Christliche Heilsbotschaft - Tympanon des Westportals des Breisach St. Stephan Münsters mit Szenen aus dem Leben des Kirchenpatrons St. Stephan. Im Tympanon unten Links: Berufung des Patrons durch einen Apostel. Im Tympanon unten Mitte: Darstellung seiner Predigt vor den Juden. Diese halten sich die Ohren zu während ein Widersacher versucht die Reden aus einem Buch zu widerlegen. Im Tympanon unten rechts: Steinigung des Stephanus. Im Tympanon oben: Der Leichnam des Heiligen wird durch zwei Engel in einen Sarkophag gelegt - begleitet von zwei weiteren Engeln mit Kerzen und Weihrauch. Der oberste (fünfte) Engel hält die Seele des Stephanus als Kindes im Arm um sie ins Paradies zu tragen.

Gotik
Gotisches Strebewerk am Münster zu Freiburg
.
Architektur der Gotik. | Foto: (©) H.D.Rose | Foto kaufen

Gotisches Strebewerk - Kreuzblume und Strebebogen verfügen über zarte Kriechblumen-Ornamente.

  • Kreuzblume (Pyramidenspitze)
  • Fiale (unterhalb der Kreuzblume)
  • Strebepfeiler (unterhalb der Fiale)
  • Strebebogen (Stützbogen)

Die Kriechblume (Krabbe) dient der Verzierung von Schrägen, Bögen und Vorsprüngen. Sie findet sich praktisch an allen gotischen Sakralbauten.

Gotik
Romanik, Gotik, Renaissance Freiburg im Breisgau
.
Architektur der Gotik. | Foto: (©) H.D.Rose | Foto kaufen

Gotische Plastiken - Gotische Plastiken haben typischerweise wallende Gewänder. In der Romanik klebten diese 'nass' am Körper. In der Gotik dagegen sind die Gewänder wallend mit Faltenwurf. Ebenfalls typisch für den gotischen Baustil ist die Fensterrose mit Maßwerk (hinter der Plastik).

Grundriss und Innenräume - Anders als in der Romanik sind gotische Kirchenanlagen nicht auf eine Gleichgewichtung der Ost- und Westteile konstruiert. Die eindeutige Hauptrichtung bewegt sich längs des Haupteingangs über den Mittelschiff zum Chorraum und der Apsis. Zusammen mit den Querhausarme bilden lateinische Kirchen den Grundriss eines lateinischen Kreuzes.

Architektur der Gotik
Gotisches Portal, Puerta de los Apostoles, Valencia.
Architektur der Gotik. | Foto: (©) H.D.Rose | Foto kaufen

Steinmetze und Baumeister - Häufig übernahmen die Steinmetze die Tätigkeit der Baumeister (Architekt). Viele von ihnen fanden durch fehlerhafte Konstruktionen den Tod. Die monogramartige Steinmetzzeichen, eine im Mittelalter übliche Markierung vieler Steinmetze, sind auch heute noch in den Steinen zu erkennen. Steinmetz/in und Steinbildhauer/in bearbeiten Steine, wie Marmor, Granit, Sandstein oder Kalkstein. Entweder werden Bauwerke und Denkmäler restauriert oder Plastiken hergestellt. Das ständig etwas restauriert und ausgetauscht werden muss zeigen die beiden Fotos unten.

Gotik Gotik
Steinmetzarbeiten vor und nach der Restaurierung
.
Architektur der Gotik. | Foto: (©) H.D.Rose | Foto kaufen

Bauhütte im Mittelalter - Ab dem 12. Jhr existierten Bauhütten in denen sich die Steinmetze organisierten. Bauhüttenmitglieder verfügten im Gegensatz zu Zunftangehörigen über Privilegien. Eine war die Freistellung von bürgerlichen Verpflichtungen. Viele Steinmetze konnten es sich daher leisten künstlerisch frei und ungebunden zu arbeiten.

Gotische Stilphasen bzw. Perioden - Die Gestaltung der Innenräume, wie Seitenschiffe, Emporengeschoß, der Fensterzone etc. variiert von Kathedrale zu Kathedrale und von Land zu Land. So wird der gotische Stil, der immerhin 400 Jahre umfasste, in drei Stilphasen bzw. Perioden unterschieden:

Frühgotik - Typisch für die Frühgotik sind Lanzettenfenster

Hochgotik - Typisch ist der Einbau geometrischer Ornamente innerhalb des Fensterbogens und die Einteilung in vertikale und horizontale Verstrebungen (Stabwerk und Querholme).

Spätgotik - Hier sind die Maßwerkformen noch aufwendiger gestaltet. Typische Formen sind die Fischblase die teils miteinander verschlungen sind und dann als Zwei-, Drei- oder Vierschneuß bezeichnet werden. Typisch für die Spätgotik ist der Einsatz des Spitzbogens zum Kielbogen (s. o.).

Nationale Ausprägung - In der Spätgotik kam es zu unterschiedlichen nationalen Ausprägungen der gotischen Architektur. Ein Grund war das Klima in dem das Bauwerk errichtet wurde. In Spanien wurden die Fenster wegen der Hitze und der Sonne häufig kleiner gebaut als im kalten und regnerischen England. Man unterscheidet in:

Englische Gotik (Perpendicularsyle)

Gotik in Frankreich (Flamboyant-Stil)

Gotik der deutschen Sakralbaukunst der Hallenkirchen

Gotik in Spanien (Plateresker Stil bzw. Platerekenstil)

Plateresken Stil - Auch in Spanien wurden nationale Ausprägungen der Gotik entwickelt. Wobei man sich zuerst an Frankreich orientierte und erst später seinen eigenen Stil entwickelte. Die Spätgotik brachte in Spanien den Plateresken Stil hervor. Das Wort stammt aus dem spanischen Wort für Silberschmied, "platero". Der Platereskenstil bestand vom Ende des 15. Jh. bis zum 16. Jh. Typisch für den Platereskenstil ist eine überreiche sowie kleinteilige Dekoration, die eher an feine Metallarbeiten erinnern. Der Platareske Stil ist eine Vereinigung der (a.) Spätgotik, des (b.) Mudejar-Stil (maurische Kunst) sowie (c.) italienischer Frührenaissance.

Gotik
Kathedrale von Segovia.
Architektur der Gotik. | Foto: (©) H.D.Rose | Foto kaufen

Kathedrale von Segovia - Die spätgotische Kathedrale von Segovia wurde unter Kaiser Karls V., 1525 - 1577 erbaut. Die spätgotische Kathedrale gilt als die letzte auf spanischen Boden errichtete gotische Kathedrale.

Gotik
Gotische Kathedrale Palma de Mallorca.
Architektur der Gotik. | Foto: (©) H.D.Rose | Foto kaufen

Gotik
Hauptportal der Kathedrale Palma de Mallorca.
Architektur der Gotik. | Foto: (©) H.D.Rose | Foto kaufen

Gotische Kathedrale von Palma - La Seu mit Parc de la Mar. Zeugnis gotischer Baukunst und Sakralbau. Mehr unter Palma de Mallorca

Gotik
Kathedrale de Santa María de Toledo.
Architektur der Gotik. | Foto: (©) H.D.Rose | Foto kaufen

Catedral de Santa María de Toledo - Kathedrale von Toledo. Gründung im Jahr 1226 unter Ferdinand III. Der Bau entstandauf den Grundmauern einer maurischen Moschee. Diese war zuvor über eine ältere westgotische Kirche errichtet. Mehr unter » Toledo. Die Kathedralen von Burgos, Toledo und León zeigen den Einfluss und die erfolgreiche Übernahme des französischen Baustils. Der Höhepunkt des französischen Einflusses zeigt sich in der Kathedrale von » León (um 1250).

Neuinterpretation der Gotik - Katalanische Architekt Antonio Gaudi mit der "Sagrada Família" in Barcelona. Eine sehr eigenwilligen Interpretation gotischer Formensprache. Seit 1984 UNESCO-Welterbe.

Gotik
Sagrada Familia in Barcelona.
Architektur der Gotik. | Foto: (©) H.D.Rose | Foto kaufen

Bestimmung und Datierung - Auch Experten können sich irren. Häufig wurden Stilelemente der Vergangenheit eingearbeitet. So zum Beispiel im Klassizismus. Hier ist eine Zuordnung noch einfach. Schwieriger wird es wenn gotische Formen zu einer Zeit verwendet wurden als in anderen Ländern die Renaissance dominierend war. Einige Bauwerke können daher älter erscheinen. So können kleine Rundfenster oder ein altertümlicher Westquerbau (...) zu einer falschen Datierung führen.

Dendrochronologie - Die Dendrochronologie erzielt einer recht genaue Datierung. Ein fest in einem Bauwerk eingebautes Holzstück kann zur exakten Bestimmung des Fälldatums herangezogen werden. Die Dendrochronologie bietet jedoch nur bis zur Zeit der Industrialisierung genaue Werte. Bis dahin konnten die Stämme nur mit der Breitaxt bearbeitet werden. Das ging nur bei frisch geschlagenen und noch weichen Holz gut. Mit der Industrialisierung wurden die Stämme gelagert und mit der Säge bearbeitet. Hier ist die Dendrochronologie nicht mehr möglich.

 
Produkthaftungsrecht
Die hier gegebenen Angaben können sich ändern. Für Vollständigkeit und Richtigkeit kann keine Gewähr übernommen werden. Für Anregungen und Verbesserungsvorschläge sind wir dankbar.

(©) 2004-2016 Rose by www.hr-rose.de, www.spanien-begleiter.de
 Hans Diego Rose (Text / Foto), Verantwortlicher & Kontaktperson
Hummelstr. 16, 79100 Freiburg, Germany.
Telefon: 0049 (0)761 73114

Reiseführer | Publireportaje | Fotokurse & Fotoworkshop | Fotos kaufen
(©) 2004-2016 Rose www.hr-rose.de | Impressum / DatenschutzImpressum / Datenschutz | Kontakt

ANZEIGE

Suche

 

Reiseführer Spanien Reiseziele A-Z

Herausragend **

Sehenswert *

Sehenswerte Reiseziele

Weitere

Weitere Reiseziele