Katalanische Kultur und Nation Das Streben nach Unabhängigkeit

Die katalanische Identität gehört zur europäischen Kultur. Doch wird der 'regionale Nationalismus' und der separatistische Kurs der Katalanen für Spanien und Europa zu einem Problem

Barcelona, Hauptstadt der katalanischen Kultur-Nation
Barcelona, Hauptstadt der katalanischen Kultur-Nation.
© Hans Diego Rose

Kulturnation Katalonien

Die katalanische Identität ist Teil unserer europäischen Kultur und ist aus unserem europäischen Selbstverständnis nicht wegzudenken. Das Katalanische konnte die Sprachen der Autonomen Regionen Spaniens Aragonien, Valencia und den Balearen prägen. Außerhalb Spaniens wird Katalanisch im Zwergstaat Andorra, in Teilen des französischen Roussillon, und auf Sardinien, in der Stadt Alghero (katalanisch: Alguer) gesprochen. Damit sprechen, je nach Quelle, etwa acht Millionen Menschen katalanisch. Eine gemeinsame kulturelle Identität als Nation existiert jedoch nicht. Der Grund: Anders als in Katalonien gerne dargestellt, war die Region in ihrer 'Unabhängigkeit' nur ein Prinzipat (Fürstentum) aber kein Königreich und damit nur ein Teil der Staatsgemeinschaft unter der Krone Aragon. Eine Unabhängigkeit gab es für das Fürstentum Katalonien nicht. Daher ähneln sich die Wappenschilder Aragons, Valencia und Kataloniens stark - und daher ist der Einfluss Kataloniens zur Bildung einer Nation so gering. Valencia, Aragon, Mallorca, Andorra (...) würden sich in der aktuellen Lage nicht in eine politische Nation Katalonien integrieren. Dennoch ist die katalanische Sprache, das bindende Band der 'Kulturnation' Katalonien.



Katalanische Sprache in der Vergangenheit

Das Katalanische ist eine eigene romanische Sprache. Sie verfügt über eine eigenständige Literatur. Schon im Mittelalter erlebte die Sprache ihre erste Blütezeit, die ihre eigenen Philosophen hervorbrachte. Diese schrieben ihre Werke (Philosophie, Literatur und Religion) nicht mehr nur in lateinischer Sprache, sondern auch auf Katalanisch und in einigen Fällen auch auf Arabisch. Ein Beispiel ist der 1232 in Mallorca geborene Philosoph und Mystiker Ramón Llull. Sein Hauptwerk ist die philosophische Abhandlung Ars Magna. Bezeichnender Weise wird Ramón Llull heute auf den Balearen als mallorquinischer und nicht als katalanischer Philosoph bezeichnet. Auch an diesem Beispiel zeigt es sich, dass ein kulturelles Band nicht immer zu einem gemeinsamen nationalen Verständnis führt.

Katalan, Castellano und Español

Im Gegensatz zum Latein ist das Katalan keine tote Sprache. Sie entwickelt und verändert sich bis in die Gegenwart. Zudem sprechen immer mehr Katalanen das Katalanische als Muttersprache - gefolgt vom Englischen und vom Spanischen (kastilische Sprache). Der Begriff kastilische Sprache wird in diesem Zusammenhang in Katalonien jedoch teilweise bewusst in einem falschen Kontext verwendet. Castellano war ein im Mittelalter in Kastilien gesprochener romanischer Dialekt. Aus diesem romanischen Dialekt ist die moderne Sprache Spanisch hervorgegangen. Als Castellano wird heutzutage ein in Kastilien gesprochener Dialekt bezeichnet. Spanisch (und nicht Castellano) wird in ganz Spanien und in verschiedenen anderen Ländern gesprochen. Spanisch als Castellano zu bezeichnen ist also falsch.

Die Franco-Diktatur als Spaltkeil

Warum aber diese irreführende Darstellung um ein angebliches Königreich oder der Sprache Spaniens. Zum Spaltkeil wurde die Zeit der Franco-Diktatur von 1939-1975. Zu Recht hat man diese Zeit der Willkür und Unterdrückung in Katalonien in denkbar schlechter Erinnerung. Schon vor 1939 strebte Katalonien eine Unabhängigkeit an. Im Bürgerkrieg kämpfte Katalonien daher bis zuletzt für die Republik. Nach dem verlorenen Bürgerkrieg wurde das Katalanisch in Sprache und Kultur vom Diktator aus dem öffentlichen Leben verbannt und konnte nur im engsten Familienkreis überleben. Ein Beispiel ist das Kloster Montserrat. Hier belagerten die Truppen der Diktatur katalanische Intellektuelle und Künstler, die im rebellischen Kloster Zuflucht gesucht hatten. Nicht zuletzt aus diesen Erfahrungen wurde die Sprache Catalan zum Symbol des Wiederstandes. Nach Francos Tod wurde katalanisch zur offiziellen Landessprache der Region Katalonien. Eine in Spanien umstrittene sprachliche Normalisierung, die einen neuen Spaltkeil zwischen Katalonien und Spanien trieb und beide Seiten voneinander entfremdet. Heute ist das Pendel in das andere Extrem ausgeschlagen. Spanisch wird in Katalonien zunehmend aus den Alltag verbannt. Die katalanisch-spanische Doppel-Identität ist in der Region Katalonien (fatalerweise) verschwunden.

Ungehorsam, Widerstand und Isolationismus

Bis 1975 / 1980 wurde in Katalonien das Spanische dominanter und das Katalanische zurückgedrängt. Zudem gehört es bis heute zum natürlichen Selbstverständnis vieler Spanier und Europäer, dass 'die' Katalanen beim Gespräch mit Fremden unaufgefordert ihre Sprache zu wechseln haben. Für viele Katalanen ein brüskierendes Verhalten. Aus diesem Grund wird in den Schulen Kataloniens statt Spanisch zunehmen Englisch als Zweitsprache gelernt. Nach Francos Tod will Katalonien endlich die Loslösung von Spanien und zerschneidet dabei auch das vereinende Band einer gemeinsamen Sprache, ohne dass daraus ein Selbstverständnis für Europa entsteht. Eine Politik der Abschottung ,die zur Isolationismus mit Spanien führt, und den Zugang zu Europa erschwert.

Nachwort - Die Vergangenheit prägt das Verhältnis zwischen Katalonien und Spanien. Katalonien versucht sich global zu Integrieren und gleichzeitig von Spanien zu lösen. Ein katalanischer Isolationismus den die Region nicht nötig hätte. Leider geht der Riss gerade durch die Sprache. Für das gegenseitige katalanische-spanische Verständnis keine gute Entwicklung.

Mehr zum Thema:




Nach oben

Autor / Publikation

Veröffentlicht:
Aktualisiert:

Schließen