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Araber, Berber oder Mauren? Genau genommen ist es eine unzulässige Verallgemeinerung die arabischen Eroberer als Mauren beziehungsweis als Araber zu bezeichnen. Tarik und sein Gefolge sowie die meisten der ab 711 auf die Iberische Halbinsel übergesetzten Muslime stammten aus den nordafrikanischen Stämmen der Berber. Da sie aus der alten römischen Provinz Mauretanien kamen wurden die Eroberer allgemein als Mauren bzw. als Araber bezeichnet.

Arabische Kultur in Spanien
Die Ereignisgeschichte beginnt 711, durch den zum Islam übergetretenen Berber Feldherrn Tariq Ibn Ziyad (Dchebel al Tariq), der um die spanische Halbinsel zu erreichen, die Meeresenge von Gibraltar überquerte und endet mit dem kampflosen Abzug Boabdils aus Granada 1492 , der sich nicht mehr in der Lage sah, sein Restreich vor den Truppen Ferdinands und Isabellas, den katholischen Königen zu verteidigen.

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Kurze Skizze einer Religion und seinem heiligen Buch

Der Islam (arabisch = Unterwerfung, Hingabe an Gott)

  • Der Islam ist die jüngste der 3 großen monotheistischen Weltreligionen.
  • 570 Der Prophet Muhammad wird in Mekka geboren.
  • 610 Der Prophet Muhammad ist Kaufmann verfügt über religiöse Inspirationen und verkündigt diese.
  • 622 Der Prophet Muhammad flieht nach Medina (Stadt des Propheten) ab hier beginnt die islamische Zeitrechnung. Das Gebet wird nach Mekka ausgerichtet.
  • 632 Der Prophet Muhammad stirbt in Medina.

Die 5 (5-6) Säulen des Islam

  1. Das Bekenntnis (Shadada), "Es gibt keinen Gott außer Allah, und Muhammad war sein Bote".
  2. Das Gebet (Quibla), 5 mal täglich
  3. Das Almosen, früher eine Steuer heute freier Obolus
  4. Das Fasten (Saum), während des Ramadan, des 9. Monats im islamischen Lunarkalenders
  5. Die Pilgerfahrt (Hadj), im 10. Monat des islamischen
    Lunarkalenders.
  6. Der Heilige Krieg (Djihad)
    Ein Leser gab mir den Hinweis:
    "Es gibt im Islam 5 Säulen. Der Cihad, wie Sie als heiliger Krieg bezeichnen hat mit den Säulen des Islam nichts zu tun. Cihad sagt aus, den Selbsterhaltungsantrieb unter Kontrolle halten, das heißt sich dem Guten zu wenden und vom Bösen fernzuhalten, also sich von Sünden zu schützen".

Konstitutioneller Streit im Islam
Es geht um die Frage der Regentschaft. Muhammad hinterließ keine eindeutige Erben. Das führt zu zwei Auffassungen, soll ein Familienmitglied Muhammads oder die Gemeinschaft der Gläubigen den Besten aus ihrer Mitte wählen.

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Der Koran, das heilige Buch

  • Die orthodoxe islamische Auffassung stellt die den Koran bildenden 114 Suren als Gottes Wort dar.
  • Der Koran ist nur in der arabischen Sprache authentisch (es existiert eine legitime Übersetzung ins Türkische). Damit sollen Auslegungsdifferenzen vermieden werden.
  • Der Koran ist nicht nur ein heiliges Buch, es ist auch Gesetzbuch und ein Meisterwerk arabischer Dichtkunst.

Für Nicht-Muslime ist der Koran schwierig zu verstehen. Viele Muslime dagegen können diese Schwierigkeiten nicht nachvollziehen. Der Einstieg fällt beim Koranstudium mit den einfachen und kurzen Suren leichter. Am besten, bei der 114. Sure "As Nas".

Der Koran ist ein bemerkenswertes Werk. Es existieren verschiedene Übersetzungen des Korans, die von mir bevorzugte ist die von Friedrich Rückert - Ergon Verlag.

Wol eine Zauberkraft muß es seyn in dem, woran
Bezaubert eine Welt hängt wie am Koran.

(Die Weisheit des Brahmanen)

Als Beispiel die 112te Sure aus der oben genannten Übersetzung:

Bekenntnis der Einheit
Sprich: Gott ist Einer,
Ein ewig reiner,
Hat nicht gezeugt und ihn gezeugt hat keiner,
Und nicht ihm gleich ist einer.

Spanien und der Islam - So gerne die spanische Nation auf das Erbe der Mauren verweist, so distanziert steht ein Großteil der Bevölkerung Spaniens dem Islam gegenüber. Neben den Verschiedenheiten der Religionen spielen natürlich auch die Unterschiede der Kulturen und Lebenswelten eine Rolle. Das moderne Spanien ist klar und deutlich dem Westen und damit dem modernen katholischen und demokratischen Staaten Europas ausgerichtet.

Die Mauren in Spanien
780 Jahre regierten die Araber auf der Iberischen Halbinsel. Großreiche, Kleinreiche, Königreiche und das 200 Jahre überlebende Restreich von Granada bilden den Ereignisboden.

711 die berberisch-arabische Eroberung besetzt Spanien und Südfrankreich. Die Statthalter sind dem Kalifen der Omayyaden in Damaskus bzw. dem Stadthalter in Kairouan (Tunesien) unterstellt. Die Christen sind Untertanen aber auch Feinde. Das Spiel der wechselnden Statthalter wird durch Abdurrahmân ibn Marwân (ad-Dâkhil = der Eindringling) beendet. Er wird zum Herrscher Hispaniens und nennt sich Emir (Befehlshaber, Herrscher). Hispania ist damit ein eigenes Machtzentrum. Die Idee einer arabischen Nation "Spanien" kam jedoch nie auf. Auch die christlichen Herrscher dachten noch nicht an ein geeintes "Ganz-Spanien" und blieben bei den von von den Römern gebildeten Begriff Hispania. Dem arabischen Machtzentrum nicht unterworfen waren die Pyrenäen und die kantabrischen Berge.

In den folgenden Machkämpfen waren Córdoba, Medinatu-z-Zahrâ und Nedinatu-z-Zâhira wichtige Zentren. Heute existieren von den beiden letzten Städte nur noch Ruinen. Die wichtigsten heute noch existierenden Städte jener Zeit waren.

  1. Granada, Toledo, Badajoz - Berber-Stammesführer
  2. Murcia, Alrmería - Heeresführer der Sklavenheere
  3. Córdoba, Sevilla - Aristokratische Familien

Die entstandenen Kleinkönigreiche wurden Taifa(s) genannt. Viele dieser Herrscher fielen durch ihre kulturellen Interessen auf. Bekannt wurde Sevilla durch seine Dichtung, Toledo durch seine Literaturwissenschaften, Denia durch Koranrezitationen ...

1055 begann die Wiedereroberung (reconquista). Von León und Kastilien, sowie Aragón und Barcelona fanden nun vermehrt Überfälle in das von den Arabern besetzte Land statt.

1085 wurde Toledo von den Christen eingenommen. Die Almoraviden wurden um Unterstützung gebeten, womit die Herrschaft der Almoraviden und Almohaden begann. Toledo konnte durch die katholischen Heere nur mit Mühen gehalten werden.

Nach den Almoraviden entstanden für eine kurze Zeit Kleinkönigreiche. Mit dem Sieg der Almohaden über die Almoraviden wurde Sevilla mit seiner Hauptmoschee zum Zentrum der arabischen Macht.

Der letzte Herrscher der Almohaden konnte jedoch den geeinten Heeren der Christen nicht standhalten und erlitt in der Schlacht von Las Navas von Tolosa 1212 eine entscheidende Niederlage. Von da ab war das islamische Reich auf der Iberischen Halbinsel verloren. 1248 war die gesamte Iberische Halbinsel in der Hand christlicherKönige. Die Ausnahme bildetet Granada, dem letzten Königreich der Araber.

Granada das letzte Königreich
Aus dem Niedergang des Almohadenreiches al-Andalus konnte sich nur das Königreich um Granada retten. Die Übermacht der christlichen Heere führte jedoch dazu das sich der arabische Herrscher Yûsuf Ibn Nasir "al-Ahmar" (der Rote) sich zum Vasall des Königs Fernando III erklärte und seine eigene Glaubensbrüder in Córdoba und Sevilla zusammen mit den christlichen Truppen angriff. Juden und Muslime flohen aus den Gebiet der Christen und bildeten den Mythos al-Andalus - das Symbol der 3 Religionen.

1340 verloren die Araber in einer Entscheidungsschlacht beim Rio Salado auch die Kontrolle über die Meeresenge und damit den Zugang zum Meer.

Dennoch begann im 14. Jahrhundert die Blütezeit Granadas. Granada hatte Gold genug, um christliche und nordafrikanische Söldnerheere bezahlen zu können und auch die Zerstrittenheit der Christen half.

1492 kam dann aber der Schlussstrich mit Fernando von Aragón und Isabel von Kastilien. Die Katholische Könige eroberten die Stadt.

Was geschah mit den Arabern?
Vor die Entscheidung gestellt zu bleiben oder zu gehen entschlossen sich die meisten nach Afrika zu ziehen. Jene die blieben wurden unterteilt in:

  1. Moros (Muslime die am Glauben festhielten)
  2. Moriscos (zwangsbekehrte "Christen" die aber heimlich am alten Glauben festhielten)
  3. Mudéjares (Muslime, die bereits während der Reconquista unter christlicher Herrschaft gerieten und über Verträge verfügten, die ihnen ein Wohn- und Religionsrecht garantierten)

Mit der endgültigen Eroberung Granadas wurden diesen Gruppen das Leben in Spanien zunehmend erschwert. Zur Zwangsbekehrung gezwungen und von der Inquisition verfolgt wurde 1611 unter dem Druck der Kirche alle Moriscos nach Nordafrika verschifft. Mehr unter » La Alpujarra Alta.

Damit endete al-Andalus. Ein Gebiet das Südspanien und Südportugal umfasste und dessen Zentrum das Guadalquivir-Tal bei Granada war.