Arbeitsnotizen Madrid
Freiburg – Madrid · 22.06. – 01.07.2026
Der Flug nach Madrid beginnt früh am Morgen. Klimaanlagen, Warteschlangen am Gate. Im Flugzeug muffige Luft, enge Sitzreihen, kaum Bewegung möglich. Einige Musiker reisen mit großen Instrumentenkoffern.
Nach der Landung wirkt Madrid ruhig. Plaza de España am Morgen: leichter Wind, erste Wärme, Geschäftsleute im Café. Wenige Stunden später verändert sich Madrid vollständig. Die Hitze wird körperlich. Wasserflaschen gehören plötzlich zur Grundausstattung des Tages.
Im Mercado de los Mostenses mischen sich asiatische, lateinamerikanische und spanische Einflüsse. Nicht alles wirkt sauber oder inszeniert, vieles direkt und alltäglich. Genau diese Orte sind fotografisch interessant.
Conde Duque geschlossen.
Abends Café Comercial. Schönes Interieur, guter Kaffee.
Dienstag, 23.06.2026
Früher Morgen an der Plaza de España. Flaches Licht, drückende Wärme bereits vor acht Uhr.
An der Puerta del Sol überfüllte Cafés und stickige Luft trotz Klimaanlagen. Im Stadtzentrum liegen touristische Routine, Müdigkeit und Überforderung dicht nebeneinander.
Plaza Mayor: Touristengruppen, Obdachlose, Straßenverkäufer und ein Darsteller im Gorilla-Kostüm. Bei nahezu unerträglichen 46 Grad entstehen die Fotos. Armut und Konsum treffen hier im selben Blickfeld aufeinander.
Das Reina Sofía geschlossen. Zu Fuß über den Paseo del Prado bis Cibeles.
Im CentroCentro imposantes Gebäude und beeindruckende Ausstellungen. Die Bedienung im Café reserviert, fast abwesend.
Das Thyssen-Bornemisza erwartbar sehenswert.
Im Círculo de Bellas Artes drei parallele Ausstellungen. Die feministische Ausstellung schwach, die beiden anderen deutlich überzeugender.
Am Abend San José. Dunkler Kirchenraum, kühle Luft, gedämpfte Geräusche. Ein starker Kontrast zur Straße.
Später geht es noch einmal gemeinsam hinaus. Nach 22 Uhr verändert sich Madrid spürbar. Die Temperatur sinkt kaum – noch immer zeigt das Thermometer 38 Grad –, doch die Bewegungen der Menschen wirken entspannter.
Mittwoch, 24.06.2026
Morgens Königspalast und Plaza de España.
Zum ersten Mal etwas angenehmere Temperaturen. Leichter Wind. In den Nachrichten weiterhin Berichte über die ungewöhnliche Hitzewelle.
Der Wachwechsel findet nicht statt.
Das Monasterio de las Descalzas Reales beeindruckend. Gedämpftes Licht, schwere Räume, Räume voller religiöser Kunstwerke.
Chocolatería 1902 am Nachmittag fast leer. Draußen Hitze, innen Churros und sehr gute Schokolade.
Am Abend Conde Duque. Der Gebäudekomplex wirkt wesentlich ruhiger als die touristischen Bereiche im Zentrum. Sehenswertes Gebäude und interessante Ausstellungen.
Später Spaziergang über Lavapiés und Plaza Santa Ana. Das Hotel Victoria wird umgebaut, der Platz verliert dadurch viel von seiner Wirkung.
Donnerstag, 25.06.2026
Madrid wirkt sofort anders: etwas Regen, Wind, niedrigere Temperaturen.
In der Tourist-Information der Hinweis, dass sich die kleineren Wachwechsel kaum lohnen. Wahrscheinlich leben viele touristische Programmpunkte stärker von Erwartungen als von der tatsächlichen Situation vor Ort.
Frühstück nahe Plaza Mayor. Unpersönlicher Service.
Später Café nahe Mercado Antón Martín. Draußen Gewitter. Hier wirkt alles unmittelbarer und persönlicher als in den touristischen Bereichen rund um Sol und Plaza Mayor.
Im Reina Sofía Streikstimmung beim Personal. Kameras erlaubt, leere Flaschen verboten. Ein Museumsmitarbeiter drängt sich direkt zwischen Besucher und Wandtext. Keine Reaktion auf die Beschwerde.
Das Museum selbst überfordert beinahe durch seine Größe. Kein Ort für wenige Stunden, sondern für einen ganzen Tag.
Am Abend lange Warteschlangen wegen des freien Eintritts. Danach Metro Richtung Sol.
Später Ruhe am Park des Königspalastes. Nur wenige Menschen unterwegs. Madrid wirkt plötzlich langsam.
Freitag, 26.06.2026
Gran Vía Richtung Puerta del Sol.
Mittagessen in Chueca. Voll besetzte Restaurants, starke Klimaanlagen, hohe Lautstärke. Neben uns zwei Katalanen, die für einige Tage ein Apartment gemietet haben. Große Portionen, einfaches, aber gutes Essen.
Neben dem Restaurant ein kleiner Buchladen mit Büchern über Fotografie, unweit davon der Mercado de San Antón.
Später längeres Gespräch mit einer Dame auf einer Caféterrasse, bevor sie ins Theater geht.
Abends Plaza de Colón. Einkaufsstraßen, Menschenströme, warme Luft bis spät in die Nacht.
Samstag, 27.06.2026
Morgens Richtung Callao. Die Fotografien einer Ausstellung vom Vortag wirken nach. Viele Motive liegen offen sichtbar im Stadtraum.
Später verändert sich die Atmosphäre abrupt. Gruppen von Nachtschwärmern ziehen durch die Calle de Preciados: Netzstoffe, Latex, High Heels, starkes Kunstlicht der Geschäfte. Es ist jetzt 8 Uhr morgens.
Frühstück in einer Seitenstraße nahe der Fundación MAPFRE. Sehr gute Fotoausstellungen über Richard Avedon „In the American West“ und Alejandro Cartagena „Ground Rules“. Sehr guter Museumsladen für Fotobücher.
Der Prado bleibt auch beim wiederholten Besuch eindrucksvoll.
Am Abend Spaziergang über La Latina, Plaza Mayor, Tirso de Molina und den Königspalast zurück zur Plaza de España. Sehr spät ins Hotel.
Sonntag, 28.06.2026
Am Morgen noch immer Nachtschwärmer auf den Straßen.
Die „II Carrera Popular Guardia Real“ durch das Zentrum Madrids – von der Puerta del Sol über die Gran Vía und die Plaza de España zum Königspalast. Später Rastro. Münzen, Briefmarken, Kleidung, Stimmen, Hitze, enge Wege zwischen den Ständen.
Abends wieder der Schlosspark. Einer der ruhigsten Orte der Reise.
Montag, 29.06.2026
Am Morgen ungewöhnlich kalter Wind. Flucht in das nächste Café.
Heute keine Museumsbesuche, sondern ein Bummel durch die Einkaufsstraßen Calle de Preciados, Calle de Fuencarral und Calle de Serrano, die als Madrids „Goldene Meile“ für Luxusmarken gilt.
Essen im Café Comercial. Ein Wandzitat fällt uns ins Auge:
„vivir es beber con los que viven“
Ein Satz des valencianischen Dichters Rafael Soler. Ein Trinkspruch auf Gespräch, Zeit und gemeinsames Zusammensitzen.
Dienstag, 30.06.2026
Letzter Tag in Madrid.
Templo de Debod am Morgen. Wind, Schatten, deutlich mildere Temperaturen. Jogger und Spaziergänger ziehen langsam am Aussichtspunkt vorbei.
Später Ausstellung im Wasserturm Isabel II. Fotografie spielt dort nur eine Nebenrolle. Wieder zeigt sich, wie wichtig genaue Vorbereitung bei Ausstellungen und Festivals ist.
Wichtige Punkte für zukünftige Reisen:
Ausstellung? Öffnungszeiten? Metroverbindungen?
Am Abend nochmals Templo de Debod. Dieselbe Umgebung, aber vollkommen andere Stimmung als am Morgen.
Zurück ins Hotel. Koffer packen.
Mittwoch, 01.07.2026
Frühstück vor dem Hotel. Danach Metro Richtung Flughafen.
Im Flughafengebäude langer Weg zu Terminal 1.
Wartezeit auf der Rollbahn. Zahlreiche Flugzeuge vor uns
Über Paris werden Turbulenzen angekündigt.
Nach der Landung wirkt Freiburg ungewöhnlich kühl. Die Wohnung dagegen aufgeheizt. Auch hier hatte die Hitzewelle zugeschlagen.

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Hans Diego Rose
Hummelstr. 16, 79100 Freiburg, Deutschland
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Veröffentlicht: 02.07.2026
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