Madrid Casa Labra Historische Taverne

Eine Erinnerung an Madrid. Ein voller Raum. Zwei Männer in Uniform. Und ein Schweigen

Madrid Casa Labra – Historische Taverne
Madrid Casa Labra – Historische Taverne.

Madrid Casa Labra

Historische Taverne

Hinweis: Beiträge können eigene Projekte oder persönliche Empfehlungen enthalten. Keine bezahlten Kooperationen.



Eine Erinnerung an Madrid

Ein voller Raum. Zwei Männer in Uniform.
Und ein Schweigen, das alle miteinander teilten.


Ich erinnere mich an einen Abend in Madrid. Ich muss noch ein Kind gewesen sein. Die Taberne war voll, draußen war es bereits dunkel. Menschen sprachen laut durcheinander, lachten, gestikulierten. Es war eng und lebendig, eine jener Situationen, in denen man als Kind mehr Atmosphäre als einzelne Worte wahrnimmt.

Ich glaube, dass es die Casa Labra gewesen sein könnte, nahe der Puerta del Sol. Sicher bin ich mir nicht. Erinnerungen bewahren nicht immer die Orte, an denen etwas geschehen ist. Manchmal bleiben nur Bilder, Geräusche und eine Stimmung.

An die nächste Szene erinnere ich mich dagegen sehr genau.

Plötzlich kamen zwei Männer von der Guardia Civil herein. Uniform, Dreispitz, dunkle Mäntel. Sie gingen zur Theke.

Und der Raum wurde still.

Nicht allmählich. Fast augenblicklich.

Die Gespräche brachen ab. Die Menschen schauten zur Seite oder senkten den Blick. Niemand schien die beiden Männer offen anzusehen. Eben noch war der Raum voller Stimmen gewesen, jetzt war da nur noch diese eigentümliche Stille.

Ich verstand damals nicht, warum.

Die beiden blieben eine Weile an der Theke. Dann gingen sie wieder. Als die Tür hinter ihnen zufiel, kehrte das Leben in den Raum zurück. Erst vorsichtig, dann immer lauter. Gespräche setzten wieder ein, als hätte jemand einen Schalter umgelegt.

Was mich daran bis heute beschäftigt, ist nicht die Anwesenheit der beiden Männer. Es ist die Reaktion der anderen.

Damals wusste ich nichts von der politischen Bedeutung dieser Uniform. Ich wusste nichts von der Diktatur, von Angst oder Überwachung. Ich wusste nur, dass Erwachsene, die eben noch unbeschwert miteinander gesprochen hatten, plötzlich schwiegen.

Erst viele Jahre später bekam diese Erinnerung einen Zusammenhang. Es war die letzte Phase der Franco-Diktatur. Franco war alt, das Ende seines Regimes absehbar – und dennoch war seine Macht im Alltag noch spürbar.

Ob es tatsächlich die Casa Labra war, weiß ich bis heute nicht.

Vielleicht ist auch das typisch für Erinnerungen: Der Ort kann verblassen, während ein Augenblick bleibt.

Ein voller Raum. Zwei Männer in Uniform. Und ein Schweigen, das plötzlich alle miteinander teilten.


Hans Diego Rose

Hans Diego Rose ist Fotograf aus Deutschland. Seine Arbeit verbindet Porträt- und urbane Fotografie mit der Beobachtung von Menschen, Orten und dem Leben einer Stadt. Madrid begleitet ihn seit seiner Kindheit.

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Hans Diego Rose

Madrid im Gespräch
Menschen. Orte. Geschichten.



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