Architektur des Barocks in Spanien Architektur und Baustile

Der Churiguerismus bildete in der Spätphase des Spanischen Barock die ausgeprägteste Form barocker Architektur

Architektur des Barocks in Spanien
Architektur des Barocks in Spanien.
Foto: © Hans Diego Rose

Architektur des Barocks in Spanien

Anfang des 16. Jahrhunderts verdrängte der Barock als neue Stilepoche der Musik, Literatur und Architektur die vorherrschende Renaissance. Auslöser für die Entwicklung war das Tridentinische Konzil (Konzil von Trient) der römisch-katholischen Kirche zwischen 1545 und 1563. Das Konzil war eine Reaktion auf den Erfolg der Reformation (1517 und 1648) und die Spaltung des westlichen Christentums in Katholisch, Lutherisch und Reformiert. Die römisch-katholische Kirche war gezwungen sich zu reformieren. Was ihr auch gelang. Sie ging gestärkt aus ihrer Gegenreformation hervor. Ausdruck der Überlegenheit im Katholizismus und Absolutismus sollte als neue Stilepoche der Barock werden.

Kritik an der Prachtentfaltung: Die barocken Bauwerke wurde auf den Rücken gehorsamer Untertanen errichtet. Während diese Not litten, baute sich Katholizismus und Absolutismus aus Steuern und Abgaben Bauwerke zur wohlgefälligen, eitlen Prachtentfaltung - als Ausdruck der Magnifizenz Gottes. Ganz anders und ohne 'Gedöns' dagegen der Protestantismus.

Kritik am Architekturstil: Überladen, schwülstig, pompös und verschnörkelt. Die klare Formensprache der Renaissancearchitektur wurde unbekümmert verlassen. Man kann dies auch als eine Weiterentwicklung verteidigen. Die weitere Entwicklung sollte zum Klassizismus und zur 'Vernunft' führen.

Unterteilung des Barocks (1575 bis 1770)
Das Barock als die Epoche des Absolutismus unterteilt sich in:
- Frühbarock (1600 bis 1650)
- Hochbarock (1650-1720)
- Spätbarock oder Rokoko (1720-1770)

Der Rokoko stellt die Spätphase des Barocks dar. Dabei handelt es sich jedoch eher um einen eigenen (verspielteren) Stil. Wurde im Barock die Machtvollkommenheit der römisch katholischen Kirche und der absoluten Monarchie triumphal dargestellt, entsprach der Rokoko der zeitgemäßen Vorstellung eines höfischen Idealbildes. Zumeist findet sich der Rokoko als Dekorationsstil in der Innenarchitektur und seltener in der Baukunst.

Das Eingangsfoto zeigt die barocke Fassade der 'Puertas de los Hierros' an der Catedral de Santa María de Valencia.



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Spanische Ausprägung des Barock

In Spanien bildete der Churiguerismus in der Spätphase des Spanischen Barock (Ende des 17. bis Mitte des 18. Jahrhunderts) die ausgeprägteste Form der barocken Architektur. Benannt nach dem spanischen Bildhauer, Bildschnitzer und Baumeister des Spätbarocks José Benito de Churriguera (*1655 Madrid; †1725 ebenda). Typisch für den Churiguerismus ist die überladene Dekoration an Wänden, Fassaden, (…). Typische Elemente sind Salomonika-Säulen (angeblich vorherrschende Säulenform im Tempel König Salomons), Pilaster (von lateinisch pila = „Pfeiler“) mit reich ornamentierte Kapitellen (obere Abschluss eines Pilasters), (…). Typisch ist auch die Asymmetrie übernommener barocker Formen.

Der Churiguerismus ist keine 'Sonderform' des europäischen Rokoko.

Barockbauwerke erkennen

Die Barockarchitektur überbot den reich verzierten und stark gegliederten Plateresken Stil der Gotik und der Renaissance und ist eine eigenwillige Weiterentwicklung der Renaissancearchitektur. Elemente wie Kuppeln, Säulen oder Pilaster wurden übernommen. Die Formensprache jedoch liberaler ausgelegt. Religiöse Themen wurden betont emotionell dargestellt. Anders als in der schlichteren Architektur der Romanik, der Gotik und der Renaissance, sollten die Gläubigen nicht allein durch die Bibel überzeugt sondern durch Prachtentfaltung emotionell überwältigt werden.

Damit werden die Hauptelemente der Architektur im Barock erkennbar. Es ist die geschwungene, wellenförmige Raumdynamik. Das Ochsenauge. Und die theatralisch angeordneten Stilelemente in der Malerei, Plastik, Dekoration mit überwiegend religiösen Motiven.

Valenica, Palacio del Marqués de Dos Aguas Spätbarock / Rokoko
Palacio del Marqués de Dos Aguas Spätbarock / Rokoko.
Foto: © Hans Diego Rose

Architektur im Absolutismus

Die barocke Bauweise findet sich zumeist an Sakralbauten, Paläste und Schlösser. Sie ist die typische Architektur des Absolutismus und findet sich daher auch an den Sakralbauten als sichtbare Darstellung des römisch-katholischen Christentums jener Zeit. Gehörte der Katholizismus (Gott und Glaube) doch zu den Säulen absolutistischer Herrschaft (König bzw. Fürst).

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Schlagworte: Architektur, Barock, Spanien, Baustile, Churiguerismus, Spanischen Barock, Rokoko, Kritik, Formensprache

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