Diktator in Spanien Geschichte Spanien 1892 - 1975

Diktatur unter Francisco Franco in Spanien. Lebenslauf und militärische Karriere im Spanischen Bürgerkrieg sowie die Bezeichnung 'Faschist' in der Katalonienfrage

Diktatur Franco in Spanien
Diktatur Franco in Spanien.
© Hans Diego Rose

Diktator in Spanien

Sarkastisch gesehen, war einer der 'Verdienste' des Diktators und General Francisco Franco, Spanien den Zweiten Weltkrieg erspart zu haben. Der von beiden Seiten blutig geführte Bürgerkrieg, und der folgende Stillstand, waren jedoch ein hoher Preis. Derweil wird in Spanien mit der Erinnerung selektiv umgegangen. Das zeigt sich in den Debatten, der politischen Eskalation und in den Protestaktionen um die Unabhängigkeit Kataloniens.

Eine Aktualisierung der Seite:
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(03.04.2014)



Lebenslauf und militärische Karriere

Das Eingangsfoto oben zeigt ein im Jahr 2008 entferntes Denkmal des Diktators Francisco Franco in der nordspanischen Stadt Santander. In der linken Ecke das Relief seines Kopfes auf einer spanischen Münze.

Name:
Francisco Paulino Hermenegildo Teódulo Franco y Bahamonde Salgado Pardo.

Eltern:
Vater: Marineoffizier Nicolás Franco.
Mutter: María del Pilar Bahamonde y Pardo de Andrade.

Geboren:
4. Dezember 1892.

Geburtsort:
Ferrol, Galicien (Geburtsstadt). Der Ort trug von 1938 bis 1982 den Namen: 'El Ferrol del Caudillo'.

Gestorben:
Natürlicher Tod im Krankenhaus in Madrid am 20. November 1975 nach einem Herzinfarkt im Oktober desselben Jahres.

'Amtszeit' / Diktatur:
Nach dem Sieg der Falange im Spanischen Bürgerkrieg (1939) bis zu seinem Tod (1975).

Offizieller Titel:
Generalísimo. Caudillo de España por la gracia de dios.


Militärische Laufbahn

1907 Eintritt in die Militärakademie in Toledo.

1910 Versetzung nach Spanisch-Marokko. Einsatz als Kommandeur im Kolonialkrieg Rifkrieg (Zweiter Marokkanischer Krieg, 1921–1926). Mit 23 Jahren von König Alfonso XIII. zum jüngsten Major der spanischen Armee ernannt.

1922 Kommandeur der spanischen Fremdenlegion.

1923 Heirat mit Carmen Polo Meléndez Valdés. Geburt einer Tochter.

1926 Jüngster General einer europäischen Armee.

1927 Nach Kriegsende in Spanisch-Marokko wird Franco Leiter der Obersten Militärakademie in Saragossa.

1931 Zweite Republik. Die unter der Leitung von Franco stehende Militärakademie wird geschlossen. Franco wird Militärgouverneur in La Coruña und danach Militärgouverneur auf den Balearen.

1934 Kommandeur der Fremdenlegion. Blutige Niederschlagung eines Arbeiteraufstandes in Asturien die gegen die rechtskonservative Regierung Spaniens demonstriert. Das kompromisslose Vorgehen bringt Franco Anerkennung in den rechten politischen Kreisen.

1935 Die Republik erkennt die Gefahr die von Franco ausgeht und versucht den Kommandanten zu isolieren. Franco wird daher 'außerhalb' Spaniens zum Oberbefehlshaber der spanischen Armee in Marokko.

Juli 1936 Militärrevolte nationalistischer Kräfte in Marokko. Die 2. Republik erlebt eine Periode politischer, ökonomischer, sozialer Krisen / Unruhen: Armut, Arbeitslosigkeit, soziale Missstände (ähnlich der Weimarer Republik). In deren Verlauf greift das Militär ein. Da die spanische Republik in den Demokratien weltweit kaum Unterstützung findet, kann der Faschismus die günstige Situation nutzen. Franco setzt mit Hilfe der Luftwaffe Hitlers von Nordafrika nach Spanien über.

1. Oktober 1936 Franco wird Chef der nationalspanischen Regierung und zum Generalissimus (Generalísimo).

November 1936 Hitler und Mussolini anerkennen den faschistischen Staat unter General Franco. Militärische Unterstützung durch die beiden Staaten. Bombardierung von Guernica.

1937 Gründung der 'Falange Española Tradicionalista'.

1. April 1939 Ende des Bürgerkrieges. Entstehung der Diktatur. Todesurteile, Folterungen und Ermordung politischer Gegner. Konservative Vorstellungen, faschistische Prinzipien und traditionelle Vorstellungen einer (spanischen) katholischen Kirche bilden die feste Basis für ein Spanien als Bollwerk des römisch-katholischen Glaubens.

1939 Die faschistische Regierung wird von den Demokratien Frankreich, Großbritannien und USA anerkannt.

Zweiter Weltkrieg Trotz drängen Hitlers gelingt es Franco das Land weitgehend neutral zu halten. Einige der wenigen Ausnahmen waren die Bereitstellung der Blauen Division (División Azul) an der Ostfront im Krieg gegen die Sowjetunion bis 1943 und kriegswichtigen Rohstofflieferungen. Hitler meinte nach dem Treffen, er ließe sich lieber mehrere Zähne ziehen als noch einmal mit Franco zu verhandeln. Nach dem Krieg wurde das Regime international isoliert. Franco bildete neue Kontakte nach Argentinien und zur arabischen Welt. Mit dem Kalten Krieg wurde der spanische Diktator trotz Menschenrechtsverletzungen von den USA als Partner akzeptiert.

1947 Die Wiedereinführung der Monarchie wird für die Zeit nach Francos Tod beschlossen. Die USA bewirken die Aufhebung der von der UNO erlassenen Sanktionen und erhalten dafür im Gegenzug militärische Basen.

Ab 1960 Wirtschaftliche Entwicklung und Wohlstand in den europäischen Nachbarstaaten führen zur Unzufriedenheit in der spanischen Bevölkerung. Franco übersteht dank Militär, Industrie und katholischer Kirche die Krisen.

1969 Franco bestimmt, dass Juan Carlos de Borbón, der Enkel Alfons XIII., nach seinem Tod König werden soll.

1969-1973 Die katholische Laienbruderschaft Opus Dei übernimmt wichtige Positionen in Regierung und Wirtschaft und wirkt stabilisierend auf das geschwächte Regime.

20. November 1975 Tod. Der Diktator stirbt mit der Überzeugung alles getan zu haben, damit nach seinem Tod der Bestand der Monarchie in Spanien gesichert ist.

Dienstag 30. Juni 2009 Erst 33 Jahre nach dem Tod des Diktators wird dem Diktator und General die Titel des Ehrenbürgermeisters, des Ehrenbürgers sowie die Ehrenmedaille und die Goldene Medaille der Stadt Madrid vom Stadtrat in Madrid aberkannt.

Diktatur und Rolle der Kirche

Zwischen 1939 - 1942 wurden auf Anweisung des Generals 50.000 'Staatsfeinde' hingerichtet. Die gleiche Zahl starb in den Gefängnissen durch Hunger und Krankheit. Von Historikern dokumentiert und belegt ist die Ermordung von über 100.000 Regimegegner. Bis zum Ende der Diktatur lies Franco zudem mehr als 30.000 Kinder verschleppen. Der Kindesraub war laut der Aussage des Richters Baltasar Garzón organisiert und diente dazu die 'Spanische Rasse zu regenerieren'. Mit einer falschen Identität wurden diese Kinder zur Adoption an die Anhänger der Diktatur weitergegeben. Viele Gegner des Franco-Regimes verbrachten Jahre im Gefängnis weil sie ihren Vorstellungen treu blieben. Über 150.000 flohen nach Lateinamerika oder über die französische Grenze in das europäische Ausland. Die Jahre nach der Niederschlagung der Demokratie waren Jahre der Säuberung. Beamte und Professoren verloren ihre Stellen. Wer als 'Roter' (Sozialist oder Demokrat aber natürlich auch Kommunist) auffiel wurde entfernt, erhielt keinen Zugang zur medizinischen Versorgung und durfte seine Kinder nicht auf die Schule schicken. Besonders schlimm traf es die Kinder, in den von katholischen Priestern geführten Waisenhäusern. Sie wurden als 'Söhne der Roten' diffamiert. Das Fehlen in der Sonntagsmesse oder eine Denunziation, eingereicht durch einen katholischen Priester bei der Militärpolizei, reichte für eine Verhaftung aus. Die staatliche Zensur arbeitete eng und erfolgreich mit den Kirchenmännern zusammen. So standen über dreitausend Bücher auf den Verbotslisten des Unrechtsregimes. Intellektuelle und Wissenschaftler mussten mit Berufsverbot rechnen. Die katholische Kirche war für die moralische, der Staat für die politische Zensur zuständig. Das Läuten der Kirchenglocken wurde zum Symbol der Unterdrückung und Rückständigkeit eines radikal katholischen Spaniens. Besonders tat sich die katholische Laienbruderschaft Opus Dei hervor, die wichtige Positionen in Regierung und Wirtschaft einnahm. Das Ziel des Opus Dei war und ist: Eine „konservative Modernisierung“ Spaniens, als ein römisch-katholisches Land, im christlichen Glauben.

Jahre des Hungers
Die Jahre des Hungers 'Los años del hambre' gingen erst in den 50ern zu Ende. In dieser Zeit lebte das Regime auf Kosten der Verlierer. Die Mehrheit der Spanier führte eine Existenz zwischen Schweigen und Anpassung.

Nach Francos Tod
Die Distanzierung vom Diktator erfolgte in der Demokratie heimlich und vorsichtig. Nach und nach wurden die Symbole des Faschismus entfernt - nicht ohne Proteste der Francisten. In den 1995er wurde das Thema von den Massenmedien entdeckt. Reporter berichteten von Massengräbern und vom Riss in der spanischen Gesellschaft. Die Rolle der Kirche, die dem Staat als Informant und Sprachrohr diente, wurde zaghaft beleuchtet. Spanien ist weiterhin polarisiert. Die Aufarbeitung findet unter Experten statt. In der Öffentlichkeit wird bevorzugt geschwiegen. Der Fall des Richters Baltasar Garzón wird zum Symbol in der spanischen Gesellschaft. Auf der Anklagebank finden sich nicht die Sympathisanten der Diktatur. Auf der Anklagebank sitzt der mutige, spanische Untersuchungsrichter.

Eine Aufarbeitung der Rolle des Papstes Pío XII. zum nacionalcatolicismo español 'Por el Imperio hacia Dios', steht derweil noch aus.

Unabhängigkeit Kataloniens
Katalanische Unabhängigkeitsbefürworter, die eine Loslösung von Spanien wünschen, argumentieren sie würden von Spanien unterdrückt. Wer anderer Meinung ist wird häufig mit dem Totschlagargument 'Faschist' beschimpft. Der Dialog damit im Ansatz abgebrochen. Der lange Schatten des Diktators wirkt sich bis in die aktuelle Demokratie in Spanien aus. Wirkliche Faschisten dürfen sich stolz bestätigt sehen. Demokraten über so viel Unvernunft den Kopf schütteln.

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