Provoke-Bewegung Fotokurse und Workshops

Are-Bure-Boke: Die produktive Unschärfe. Prinzip einer bewusst „unfertigen“ Ästhetik in der Fotografie

Provoke-Bewegung, „Are-Bure-Boke“
Provoke-Bewegung, „Are-Bure-Boke“.

Ausgabe vom Januar 2025

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By: Hans Diego Rose

Beitrag enthält eigene Projekte oder
Empfehlungen; keine bezahlte Kooperation.


Kein offizielles Fujifilm-Angebot.

Provoke-Fotografen nutzten Schwarzweißfilm, oft hohe ISO-Werte und den Push-Prozess, um Körnigkeit zu betonen. Längere Verschlusszeiten erzeugten verwischte Konturen und ein Gefühl von Dringlichkeit. Technische Korrektheit wurde zugunsten unmittelbarer Wirkung aufgegeben: nächtliche Straßen, schnelle Bewegungen, flüchtige Gesten. Die Bilder waren weniger Beschreibung als Reaktion – visuelle Notate im Rhythmus urbaner Situationen.

Die japanische Zeitschrift „Provoke“ erschien 1968 und 1969 nur dreimal, prägte die Fotografie jedoch nachhaltig. Die Fotografen suchten eine Bildsprache jenseits formaler Perfektion: Körnung, Unschärfe und Bewegung wurden zu gestalterischen Mitteln. Die ästhetische Formel are-bure-boke – rau, verwackelt, unscharf – stellte einen Gegenentwurf zur kontrollierten Präzision westlicher Fotografie und zur technischen Strenge der f/64-Gruppe dar.

Auch digital bleibt diese Haltung übertragbar: hohe Empfindlichkeiten, fehlender Weißabgleich, überzogene Kontraste oder minimal verschobene Fokuspunkte erzeugen ähnliche Effekte. Entscheidend ist der spontane Zugriff und das Zulassen von Unbestimmtheit.

Initiatoren der Japanese Are-Bure-Boke style photography waren Daidō Moriyama, Takuma Nakahira und Yutaka Takanashi, die den Stil und die Zeitschrift maßgeblich prägten.

Eigene Praxis

Dieses Prinzip „unfertiger“ Ästhetik fließt gelegentlich in meine urbanen Projekte ein. Bei nächtlichen Aufnahmen verzichte ich auf volle Kontrolle, arbeite mit längeren Belichtungszeiten und streifigen Bewegungen. Körnung hoher ISO-Werte oder bewusstes Korn verstärkt die Rauheit der Szene, wie bei einem Foto eines Influencers an einem düsteren Wintertag, aufgenommen mit der Schwarzweiß-Filmsimulation Acros von Fujifilm und leichtem Korn.

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